Taube (nicht) auf dem Dach

Eigentlich hatten wir unseren letzten Donnerstag ganz anders eingeplant, aber es sollte wohl nicht so sein – noch am Abend zuvor schauten wir uns den Film PLÖTZLICH AUFS LAND – EINE TIERÄRZTIN IM BURGUND an und ahnten nicht, dass wir nur wenige Stunden später selber mit einer Tierpflege konfrontiert wurden:

Wir waren gerade frühmorgens beim Ausführen unserer beiden Hunde, als YOJO auf der an unserem Hause angrenzenden kleinen Wiese ein merkwürdiges graues Knäuel beschnupperte. Schnell stellte sich heraus, dass es sich hierbei um ein Tauben-Küken handelte, das wohl aus dem Nest gefallen oder gestoßen worden war. Wir haben viele Tauben bei uns, weiterhin auch Möwen, Raben, Elstern, Amseln, Sperlinge, Mauersegler, Fledermäuse usw.. Wir wohnen in der 11. Etage mit freiem Nord-Blick auf die Ostsee und Süd-Blick nach Rostock – hier befindet sich auch unser großer Balkon mit außerhalb angebrachten Balkonkästen. Vor einigen Jahren brüteten darin sogar Tauben und auch eine Eule hatte sich hier einmal niedergelassen …

Diese kleine Taube also war überhaupt noch nicht ausgereift und flugfähig, so dass wir ihr fachkundig helfen wollten. Aber weit gefehlt – wir hatten eine dreiviertel Stunde telefonisch versucht, verschiedene Tierschutzorganisationen, Tierarztpraxen usw. zu erreichen, und sind dann kurzerhand nach Rostock zum Tierschutzverein gefahren, der bis dahin telefonisch nicht zu erreichen war. Und hier wurde unsere Enttäuschung noch größer, als die dortige Mitarbeiterin uns gleich mit den Worten abwimmelte, sie seien überlastet und sie wolle sowieso am Wochenende wegfahren …

Angeblich sei diese Taube auch eine Wildtaube und dafür wohl der Wildtierschutz zuständig, wobei dessen Freiwilligkeit mehrfach betont wurde. Nun – von diesem Rostocker Tierschutzverein hatten wir seit 2011 nacheinander 3 Tierschutzhunde aufgenommen, aber dessen Mitarbeiter leider nie freundlich empfunden, wohingegen der Verein ProDogRomania mit seiner Pflegestelle OSTSEESCHNUTEN in Ribnitz-Damgarten, von dem wir später nacheinander auch 3 Hunde geholt haben, immer sehr herzlich war. Leider musste es einmal gesagt werden, dass uns der Rostocker Tierschutzverein wieder sehr enttäuscht hat …

Doch die kleine Taube sollte nicht darunter leiden und wir haben nun erst einmal selber mit der Handaufzucht begonnen. Wir haben im Internet weiter recherchiert und vielfach bestätigt gefunden, dass es sich tatsächlich nicht um eine Wildtaube, sondern um eine verwilderte Haustaube handelt – das hatten wir auch nicht anders erwartet und widerspricht der oberflächlichen Beurteilung durch den Rostocker Tierschutzverein. Nun hoffen wir, anderweitig einen fachkundigen Beistand zu finden, denn das Tier muss ja auch noch auf ein Leben in der freien Natur vorbereitet werden. Die Taube bekommt mehrmals täglich einen speziellen Aufzuchtbrei, wird längere Zeit in unseren Händen gewärmt, erhält zur Stärkung kleine REIKI-Behandlungen und wird mangels eines Vogelkäfigs behelfsweise in einer größeren Hundebox untergebracht:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Fuchs auf der Straße

Bereits seit Mitte September 2019 befassen wir uns intensiv damit, einen zweiten Hund in unsere Familie mit aufzunehmen, damit unsere Maxi einen adäquaten Gefährten hat. Über ProDogRomania wurden wir mit Otellu dann auch fündig – er befindet sich wegen einer etwas aufwändigen medizinischen Behandlung derzeit noch auf einer Pflegestation in Ribnitz-Damgarten. Damit wir uns ganz entspannt aneinander gewöhnen, fahren wir jeden Sonntag zu ihm und gehen gemeinsam spazieren. Wir freuen uns schon darauf, wenn er endlich bei uns zu Hause einziehen kann …

Auf dem Rückweg nach Hause werteten wir gerade unsere Tageseindrücke aus, als in ca. 20 Meter Entfernung voraus ganz unbekümmert ein Fuchs die Landstrasse querte. Als wir behutsam näher heran fuhren, stellten wir fest, dass er wohl gerade auf Jagd war – ein für uns ganz seltenes Naturerlebnis aus allernächster Nähe, und die von unserer DashCam aufgenommenen Bilder können nur entfernt das wiedergeben, was wir vor Ort sehen und spüren durften:

Und zwei Wochen später begegnete uns dieser Fuchs am Straßenrand nochmals:

Lieber den Spatz oder die Taube … ?

Nahezu unbemerkt hatten Anfang April auf unserem Balkon Tauben ein Nest gebaut und darin schnell zwei kleine Eier abgelegt. Was nun: Möwen darf man in Rostock bei Strafe nicht füttern und bei Tauben könnte ein gleiches Unheil drohen ? Wir schauten im Internet nach und wurden unter Bezugnahme auf einschlägige Tierschutzbestimmungen darin bestärkt, die Taubenbrut nicht zu behindern. Mehr noch: Tauben bedürfen trotz unsachlicher öffentlicher Meinungen über die Verbreitung von Krankheiten weiterhin unseres menschlichen Schutzes !

Das erste Ei wurde also am 11.04.2019 gelegt und in der Nacht zum 30.04.2019 schlüpften dann zwei Küken. Zum Schutz der Brut vor widrigen Witterungseinflüssen und vor räuberischen Möwen hatten wir das Nest mit Zweigen und einem Tuch etwas verdeckt. Die Küken wuchsen zusehends heran, aber ein Jungtier hat die Nacht zum 11.05.2019 leider nicht überlebt – wir begruben es dann würdevoll unter einer nahe gelegenen und auch recht geschützten Buschgruppe …

Die „Alte“ blieb bereits seit einigen Tagen immer öfter fern, man sah sie immer seltener, obgleich auch wir etwas Futter und Wasser vorhielten. Heute, am 12.05.2019, hatten wir uns entschlossen, die Brutpflege aktiv mit zu unterstützen, d.h. den Jungvogel notfalls sogar bis zur Flugfähigkeit weiter aufzuziehen, falls die „Alte“ nun wirklich fernbleiben sollte. Wir richteten dafür ein neues, größeres und vor Möwen und ungünstiger Witterung noch besser geschütztes Nest ein, das die „Alte“ gegebenenfalls immer noch erreichen kann. Und wir begannen dann auch schon mal mit der Fütterung, nachdem wir im Internet recherchiert haben, wie man Jungtauben aufzieht:

So – und am Abend kam die „Alte“ dann plötzlich doch und schaute sich verunsichert um: Das von ihr angelegte Nest war nun weg, aber es gab ein Neues. Würde sie es finden und annehmen … ?

Ja, sie fanden wieder zueinander: Die Jungtaube kletterte aus ihrem von uns eingerichteten Nistkasten auf die Balkonbrüstung und wurde sogar von den beiden Alten im Wechsel gefüttert – hier die etwas unscharfen Fotos, die wir aus größerer Entfernung anfertigen mussten, um die „Familie“ nicht zu stören:

Update 16.05.2019 / 16 Uhr: Die Taube ist verschwunden …

Unseres Wissens sind Ringeltauben Nesthocker und werden erst nach 4-6 Wochen flügge. Weil’s in diesen Tagenhunde nachts wieder sehr kalt und windig war, hatten wir die Jungtaube über Nacht im Wohnzimmer in einer leicht abgedeckten Kiste „zu Bett gelegt“ und dann morgens wieder ausgesetzt – heute früh schon gegen 05:15 Uhr. Sie hatte sich heftig mit großen Flügelschlägen gewehrt, so dass man vermuten konnte, sie fliegt gleich los, aber dann saß sie die ganze Zeit auf dem Balkon alleine herum, ohne dass die Alten zum Füttern kamen. Wir hatten den Eindruck, dass sie manchmal an ihr vorbeiflogen, waren selber aber zu sehr in der Küche und im Büro beschäftigt – nichts Genaues weiß man also nicht … dann waren wir mal kurz von 14:45 – 15:45 Uhr im LANDMARKT zum Kaffee trinken und Einkaufen und Sabine wollte sie nun füttern …

Jörg ist noch einmal vor’s Haus gegangen und suchte die nähere Umgebung ab, denn vielleicht war sie zwischenzeitlich auch nur aus dem Nest gefallen, aber sie war einfach nicht auffindbar. So, wie sie heute morgen mit den Flügeln geschlagen hat, könnte sie auch schneller flügge geworden sein als allgemein angenommen. Und vorbeifliegende Möwen wären insofern unwahrscheinlich, da die Taube zumeist unter einem Sanddorn-Strauch saß, der sich bereits seit Jahren im Balkonkasten befindet – dort können räuberische Möwen nicht mehr manövrieren. Uns bleibt nun nichts Anderes mehr übrig, als die Geschicke der jungen Taube in Krishna’s Hände zu geben …